Was bedeutet woke?
“Woke” bedeutet etwa achtsam und aufmerksam in Hinblick auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit im weitesten Sinne zu sein.
Der Begriff ist afroamerikanischer Herkunft und bezieht sich historisch auch oder gerade auf Rassengerechtigkeit. Er ist abgeleitet vom Ausdruck “stay woke”, dessen grammatikalischer Aspekt sich auf ein anhaltendes Bewusstsein für diese Fragen bezieht.
In den späten 2010er Jahren wurde “woke” als ein allgemeinerer Slangbegriff übernommen, der im weitesten Sinne mit linker Politik, sozialliberalen Anliegen, Feminismus, LGBT-Aktivismus und kulturellen Fragen in Verbindung gebracht wird. Er ist aber auch zunehmend Gegenstand von Memes, ironischem Gebrauch und Kritik.
Seine derzeitige – 2020 – weit verbreitete Verwendung ist ein Ergebnis der Black Lives Matter-Bewegung.
Die Begriffe “woke” (“wach”) und “wide awake” (“hellwach”) tauchen erstmals in der politischen Kultur und in politischen Anzeigen während der Präsidentschaftswahlen von 1860 zur Unterstützung von Abraham Lincoln auf. Die Republikanische Partei kultivierte die Bewegung, um sich in erster Linie gegen die Verbreitung der Sklaverei zu wenden, wie sie in der Wide Awakes-Bewegung beschrieben wurde.
Der Begriff wird inzwischen auch im Deutschen verwendet. “Find ich gut, dass Du so woke bist”.
Die entsprechende Einstellung wird als Substantiv auch als Wokeness bezeichnet.Die Jugendsprache in den USA ist kein Schulhof-Phänomen, sondern findet vor allem im Internet statt. Junge Menschen nutzen soziale Medien wie Twitter, Instagram, Snapchat und Co., um tagtäglich miteinander zu kommunizieren. Ein kurzer Videoclip, der tausende Male gelikt und geteilt wird, kann ausreichen – und schon verbreitet sich ein neuer Slang-Begriff „viral“. Was diese außergewöhnlichen und teilweise seltsamen Wörter überhaupt bedeuten und wie sie richtig benutzt werden, entdecken Sie in unserem Artikel.
Freunde sind die Besten
Ein squad? Das gibt’s doch nur beim Militär, oder? Ursprünglich schon, aber mittlerweile ist dieser Begriff unter amerikanischen Teenagern äußerst beliebt. Sie rufen ihn über den Schulkorridor oder posten ihn fleißig in den sozialen Medien. Was damit gemeint ist? Die Clique natürlich: Went to the cinema with the squad! („Ich war mit der Clique im Kino!“). Ein anderes umgangssprachliches Wort mit ähnlicher Bedeutung ist fam – für die Menschen, die einem wichtig sind: Yeah, the guys in the football team are my fam („Die Jungs in der Footballmannschaft sind Familie für mich“).
Angezündet und geschlagen?
Eigentlich bedeutet lit „angezündet“, wobei das Wort auch etwa 100 Jahre lang für „berauscht“ gebraucht wurde. Diese Zeiten sind vorbei. Heute lässt es sich mit „ausgezeichnet“ oder „aufregend“ übersetzen. Der Fernsehsender NBC griff die Doppeldeutigkeit zwischen „angezündet“ und „aufregend“ auf und kommentierte etwa die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2016 auf Twitter mit It’s lit – der Tweet erhielt über 4.000 Retweets und „Gefällt mir“-Angaben.
Sie fanden die Veranstaltung auch so toll? Dann antworten Sie: That really slayed me! Der Begriff slay existiert bereits seit dem 12. Jahrhundert und geht auf dieselbe Wurzel zurück wie das deutsche Wort „schlagen“. Das klingt zwar ziemlich grausam, ist es aber eigentlich nicht: In der modernen englischen Umgangssprache ist slay die richtige Wahl, wenn jemand oder etwas außergewöhnlich beeindruckt, amüsiert oder erfreut. Über eine Person, etwa einen Popstar, können Sie sagen: He slayed with his performance. („Sein Auftritt war genial“).
Verrückte und ihre Augenbrauen
Sie beobachten beim Ausgehen, wie eine Frau einen Verehrer knallhart abblitzen lässt? Dann sagen Sie: That was really savage of you. Ein savage hat zwar auch etwas von einem Verrückten und Wilden, aber im American Slang steht das Adjektiv für harsches, kühles, abgebrühtes Verhalten ohne Rücksicht auf Gefühle oder Konsequenzen.
Wie loben Sie aber perfekt gezogene Augenbrauen oder ein tolles Outfit? In der englischen Umgangssprache können Sie on fleek oder snatched verwenden. Ausgangspunkt waren wieder einmal Videos in den sozialen Medien. Und was das Interessante ist: Zumindest fleek hat überhaupt keine Bedeutung an sich, es ist ein Kunstwort. Doch das stört niemanden: Her outfit is on fleek und Her eyebrows are snatched.
Die Sprachwelt der Blogger und Instagrammer
Amerikanische Fashionistas, Fußballstars und Vlogger verwenden für ihr Leben gern Hashtags, wenn sie auf Instagram und Co. veröffentlichen. #ootd etwa bedeutet Outfit of the day – Outfit des Tages. Wenn Sie dagegen #tbt (throw back Thursday, also eigentlich Rückblick-Donnerstag) lesen, schauen Sie sich wahrscheinlich Postings von alten Bildern an – in erster Linie lustige Kinder- und Jugendfotos, aber auch Bilder zu besonderen Anlässen wie ein vergangener Urlaub, eine Party oder ein Geburtstag.
Hashtags werden auch für ernsthafte Themen benutzt, etwa um Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit zu kommentieren – so beispielsweise mit #woke oder #StayWoke. Auch wenn woke bereits seit den 60er Jahren immer wieder auftaucht, hat sich der Begriff spätestens seit dem Tod von Trayvon Martin in 2012 und der daraus resultierenden Black-Lives-Matter-Bewegung in diesem Zusammenhang vollständig etabliert. In der modernen Form des American Slang bedeutet er „alarmiert, politisch gut informiert sein“. Auch wenn woke zuerst speziell im Zusammenhang mit institutionellem Rassismus gebraucht wurde, wird der Begriff inzwischen auf jegliche Form der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit bezogen.
Sie möchten noch mehr umgangssprachliche englische Wörter lernen? In unserem Beitrag „Die 10 wichtigsten englischen Chatabkürzungen“ erfahren Sie, was es mit FYI, THX und L8R auf sich hat.
Ein kleiner Junge trägt auf dem Women's March in Washington ein Schild um den Hals: „I love naps but I stay woke“ steht darauf. Wer genau hinschaut, dem fällt das Wort woke auf – denn eigentlich gibt es das gar nicht. Und trotzdem hat sich das Bild im Januar rasend schnell in Amerika verbreitet.
Das Wort hat sich in den vergangenen fünf Jahren in den USA durchgesetzt, parallel zum Aufstieg der neuen schwarzen Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter. Der Begriff wurde vor allem in den sozialen Netzwerken zum Markenzeichen dieser Bewegung. Sie glaubt: Wer in den USA schwarz ist, sieht sich mit großen sozialen Ungerechtigkeiten konfrontiert. Wer diese Ungerechtigkeiten erkennt und benennt, ist woke. Also in etwa übersetzt: wach sein im Kopf, Missstände bemerken.
An einer Veranstaltung seiner Stiftung kritisierte Barack Obama die Pranger-Kultur, die unter Aktivisten auf sozialen Medien herrsche. «Seid nicht zu woke!», rügte er. Was ist «woke»? Gespräch mit der Soziologin Leslie Gauditz über einen Protest-Begriff, der für Widerstand sorgt.
Barack Obama prangerte letzte Woche die Woke-Kultur an. Vorab: Was heisst «woke»?
«Woke» ist ein Begriff aus dem US-amerikanischen Kontext. Er bedeutet, dass Leute sich sozial und politisch bewusst sind, dass Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten existieren. «Woke» sein bezieht sich auch auf die individuelle Lebensführung: Wie man richtig spricht, richtig handelt. «Woke»- Sein kann auch heissen, sich vegan zu ernähren.
Grundsätzlich zielt «Woke»-Sein darauf ab, ein Bewusstsein für bestimmte Probleme zu schaffen. Allen voran steht die MeToo-Bewegung, die darauf aufmerksam machte, wie viel Sexismus es im Alltag gibt.
Nick Cave stimmt ähnliche Töne wie Obama an. Auf seinem Blog, schreibt er, dass ihn der «Mangel an Demut» und die «Unfehlbarkeit der Thesen» der Woke-Kultur abstosse. Einspruch gegen eine Generation von Rechthabern?
Er spricht wohl an, dass aus dem Bewusstsein gegenüber Ungerechtigkeiten auch Taten folgen müssen. Rechthaberei reicht nicht.
Das «Woke»-Sein sehe ich da nicht als Problem. Sondern das Behaftet-Bleiben auf einer sprachlichen und intellektualisierten Ebene.
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